Was?
Wo sind die großen Stellschrauben im Bildungssystem?
Stellschraube 1: Schule als planwirtschaftliches Ausleseinstrument abschaffen - dafür Lebensfreude sowie Raum für stärkenorientierte, am Individuum orientierte Entwicklungspfade...
Dr. Renz-Polster

„In Wirklichkeit ist der Bildungsauftrag ergänzt und überlagert durch den Selektionsauftrag. Es geht um die Auslese, das heißt um die Vermittlung von Bildungstiteln. Und diese Titel wiederum sind Anrechtsscheine auf gesellschaftliche Plätze. Um die kämpfen die Kinder, deswegen macht die Schule den Eltern und den Lehrern allesamt eigentlich gar keinen Spaß.
Auch die Kinder wollen nicht einen wunderbaren Bildungsberg erklettern, sondern die Noten schaffen oder einfach die Schule schaffen. Alle müssen „was schaffen“ – wie das schon klingt: ich muss den Lehrplan schaffen, wie man das oft von Lehrern hört. Nein, das klingt nicht nach Freude.
Und weil es weder um Freude und im Grunde auch nicht wirklich um die gelernten Inhalte geht, ist es sehr vielen Eltern tatsächlich egal, was ihre Kinder in der Schule lernen, da könnte man Südchinesisch auf den Lehrplan nehmen, die würden sagen, Hauptsache mein Kind hat da eine eins.“
(https://kinderwaerts.de/herbert-renz-polster/, geöffnet am 26.09.21, um 14:46 Uhr)
Stellschraube 2: Unterricht abschaffen und dafür Selbststeuerung sowie Vielfalt Raum geben
Schon 1930 wurde Kritik laut, die auch heute noch erstaunlich aktuell klingt:
„In jeder Stunde wechseln Lehrer und Unterrichtsstoff; sie wechseln ohne jeden sinnvollen Zusammenhang. Man kann sich in einer Stunde nicht völlig auf einen neuen Gedanken
umstellen.
Hat man sich aber darauf eingestellt, kommt sogleich ein anderer Studienrat, der ein
anderes Fach lehrt. Und in dieser geistigen Hetze läuft diese schwierige Periode des
menschlichen Lebens ab.
Man beschränkt sich darauf, Wissensstoff zu vermitteln, viel Wissensstoff, eine Menge Gegenstände zu berühren, aber alle mit der gleichen
Oberflächlichkeit… „
– Maria Montessori (1930)

Stellschraube 3: Digitalisierung geht nur mit einem neuen Lehr-Lern-Verständnis

Axel Krommer (Experte für das Lernen mit neuen Medien):
„Aus einer Notfall-Perspektive ersetzt Distanzlernen Präsenzlernen. Aus dieser Perspektive
erscheinen Lernsettings im Schulzimmer immer als der ‚eigentliche‘ Unterricht, der Einsatz von
Chats, Videokonferenzen oder Kollaborationsplattformen im Unterricht als wenig befriedigende
Notlösung.
Fruchtbarer ist es, …, das Lernen der Schülerinnen und Schüler (SuS) in den Mittelpunkt der
Überlegungen zu stellen. Dann zeigt sich schnell, dass Präsenzunterricht die SuS dazu gebracht
hat, wenig Vertrauen in selbstorganisierte Lernprozesse in eigener Verantwortung zu haben.
Traditionelle Schulformen geben vor, Lernaufträge seien dann relevant, wenn sie von einer
Lehrkraft formuliert werden und wenn die Ergebnisse von einer Lehrkraft korrigiert und bewertet
würden.
In einer Kultur der Digitalität rückt diese Form von Wissensautorität in den Hintergrund. Wichtiger
werden Gemeinschaften und Perspektiven.
Krommer und Wampfler (2021, S.9).
Stellschraube 4: Wissenstransfer begrenzen und Persönlichkeiten stärken
Thesen von Prof. Rolf Arnold (Experte für Schulentwicklung):
- Wissen erneuert und erweitert sich rasant
- Berufsbilder, die in 10 Jahren gefragt sind, kennen wir noch nicht
- Schule muss weg von der Wissensvermittlung hin zur Entwicklung starker Persönlichkeiten
- Wissensinhalte sind keine Kompetenzen